Der Schmied Toni Roith über seine Arbeit: »Ich brauche den Kitzel, das mag ich«
Anton »Toni« Roith bringt Eisen in Form und restaurierte unter anderem das bronzene Portal zur Befreiungshalle in Kelheim. Ein Besuch am Feuer und ein Blick über die Schulter.
Fotos: Gerald von Foris
Toni Roith in seiner Schmiede
»Ich komme aus Schamhaupten nahe Riedenburg im Altmühltal. Gelernt habe ich Bauschlosser, in Ingolstadt. Dann habe ich in Ingolstadt beim Pfättisch gearbeitet. Ich hab` mir viel selber beigebracht, weil die geläufige Arbeit, die reicht ja nicht. Da muss man selber auch interessiert sein und dann Rumschmieden und Probieren. Dann war ich in München für die Meisterschule, nochmal fünf Jahre in Ingolstadt und bin jetzt seit fast vierzig Jahren selbständig.«
»Im Winter war es saukalt, dass das Eisen gleich an den Händen gepappt ist«
»Erst war ich in Schamhaupten in einer Doppelgarage. Das war nicht einfach. Im Winter war es saukalt, dass das Eisen gleich an den Händen gepappt ist. Und dann habe ich schön langsam geschaut, dass ich da ein passendes Anwesen bekomme. Ich habe ans Landesamt für Denkmalschutz geschrieben und eine Loseblatt-Sammlung mit verkäuflichen Baudenkmälern bekommen. Vom Hühnerstall bis zur Burganlage war da zwischen Rosenheim und Dinkelsbühl alles dabei. Ich bin die interessanten Gebäude abgefahren, weil Bilder waren da nicht drin. Als ich dann hier in Reuth reingeschaut habe, wusste ich: Genau das muss es sein. Das ist richtig idyllisch, der Stadl und das Haus, wie eine Burganlage. Es war schon saniert, aber ich habe den Stadel nochmal ein bisschen herrichten lassen, weil die Gefache rausgefallen sind.«
»Genau das muss es sein«: Roiths Haus

»Durch das Gewicht hatte sich unter anderem das Zapfenband verschoben, das die Tür drehbar mit dem Rahmen verbindet.«
Etwas komisch war, dass sie mir erst keinen Betonboden genehmigt haben, nur ein Kopfholzpflaster oder Fliesen. Fliesen! Für eine Schmiede. Das ist ja nichts. Der Amboss wiegt schon vier Zentner und wenn ich dann noch drauf rumschmiede, da kommt Schwingung rein. Am Ende ist es doch Estrich geworden und ein Kubikmeter Beton unter dem Amboss. Die Deckenbalken aber sind alle dringeblieben, das hat dem Landesamt für Denkmalpflege gut gefallen. Ich arbeite auch viel zusammen mit denen, auftragsmäßig. Wir haben das bronzebeschlagene Portal zur Befreiungshalle bei Kelheim erneuert, siebeneinhalb Meter hoch, einer der beiden Flügel wiegt zweieinhalb Tonnen. Seit der Bauzeit um 1850 wurde nichts daran verändert. Durch das Gewicht hatte sich unter anderem das Zapfenband verschoben, das die Tür drehbar mit dem Rahmen verbindet. Wir haben alles vor Ort gemacht, das war eine Herausforderung. Ich brauche den Kitzel und das Risiko, das mag ich. Man muss halt auch ein Optimist sein, das ist klar. Und die Kenntnis haben. Ich meine, da kannst du keine Fertigprodukte verwenden, das musst du alles durchdacht durchführen.«
Die Feuerstelle in der Schmiede im Stadl

Beim Schmieden
»Das Werkzeug habe ich dann auch selber gemacht, über 100 Zangen«
»Die Schmiede hier war mir wichtig, die wollte ich unbedingt mit Kohlen befeuern, weil es gibt sie auch mit Gas und mit Strom, aber das ist meiner Meinung nicht so gut, weil es die Hitze nicht herbringt. Das Eisen muss gelb werden und dann kannst du das richtig verkneten. Das Werkzeug habe ich dann auch selber gemacht, über 100 Zangen. Die Zangenform ist auch wichtig, dass das Eisen, das man halten will, richtig umfasst wird. Sonst gibt es Unfälle. Das haut es dann raus und kann dich furchtbar verletzen. Aber eigentlich ist mir nicht viel passiert bisher.«
Am Amboss
Zangen, selbstgeschmiedet
»Ich bin mir schon ein bisschen aufdringlich vorgekommen. Aber ich hab das wollen!«
»Schlösser und Beschläge, die mache ich zurzeit oft. Griffe. Oder eben Restaurierungen. In Landshut auf der Burg Trausnitz habe ich eine Zwischentür aus dem 16. Jahrhundert hergerichtet, mit dicken Balken und Brettern und Bändern drauf. Die war total durchgerostet und die haben wir behutsam restauriert. Wir haben das alte Material wieder hergenommen, das ist das Ziel des Denkmalschutzes. Manchmal ist das aber auch schwer, weil das Material nochmal 50 Jahre halten soll. Und in Schloss Neuburg an der Donau habe ich das ganze Altanengeländer gemacht, ein barockes Geländer. Bis ich den Auftrag bekommen habe, bin ich denen viel auf die Nerven gegangen. Ich bin einfach nach München gefahren, in die Schlösserverwaltung am Nymphenburger Schloss, 1990 war das, da habe ich mich vorgestellt. Ich bin mir schon ein bisschen aufdringlich vorgekommen. Aber ich hab das wollen! Und plötzlich hieß es, dass Schloss Neuburg saniert werden soll. Ich hab ein Angebot abgegeben und dann hab ich das gekriegt. Ein Riesenauftrag. Da habe ich was auf die Seite gebracht und das Haus hier kaufen können. Das war mein Glück. Der Mensch braucht auch Glück, nicht bloß Können allein.«
Türbeschlag
Eine selbstgebaute, bewegliche Wohnzimmerlampe in Roiths Haus
Blick aus dem Stadl, ins Licht