Der Concierge Georg Kaesler ĂŒber GĂ€stewĂŒnsche: Es gibt kein Nein, es gibt immer eine Lösung

Im Hotel Bayerischer Hof in MĂŒnchen sorgt er sich um die Anliegen der GĂ€ste: Hotelportier Georg Kaesler trĂ€gt die Goldenen SchlĂŒssel am Revers, das Erkennungszeichen der Vereinigung von Concierges in FĂŒnf-Sterne-Hotels. Ein GesprĂ€ch ĂŒber EnttĂ€uschungsvermeidung, John Kerrys Ausstrahlung und die Frage, was der Berufsstand mit gutem Wein gemein hat. Fotos: Gerald von Foris

Herr Kaesler, wie erklÀren Sie anderen, was Sie tun?
Ich bin die hoteleigene Touristeninformation: Kein Gast eines FĂŒnf-Sterne-Hotels mit Concierge sollte zur Touristeninfo gehen mĂŒssen. Wir springen ein, wenn die Schuhe kaputt sind und neu besohlt werden mĂŒssen, wenn ein neuer Knopf ans Hemd soll oder ĂŒberhaupt ein neues Hemd benötigt wird. Wir kĂŒmmern uns, wenn ein Gast ĂŒbermorgen in die Oper gehen möchte. Wir sind die Angenehmermacher des Hotels.

Bei Ihrer Beschreibung denke ich an die Beschreibung „Fenster zur Stadt“.
Stimmt, wir sind die BrĂŒcke aus dem Hotel in die Stadt – und erledigen das, was sich nicht im Haus erledigen lĂ€sst. Wenn Samstagabend um 18 Uhr ein Gast zusĂ€tzlich zu dem Rollstuhl, mit dem er angereist ist, noch einen Rollator wĂŒnscht, werden wir aktiv. 

Um diese Uhrzeit haben die meisten SanitÀtshÀuser geschlossen.
Deshalb nutze ich das Netzwerk der „Goldenen SchlĂŒssel“: In dem Verein haben sich vor 66 Jahren erstmals Concierges aus der ganzen Welt zusammengefunden. 

Was zeichnet diese Concierges aus?
Unser Motto ist „In Service Through Friendship“. Wir arbeiten ĂŒber Hotelketten hinweg zusammen und helfen einander. Ein anderes MĂŒnchner Hotel hatte einen Rollator vorrĂ€tig, den wir bis Montag leihen konnten.

Wie viele Zimmer hat das Hotel Bayerischer Hof?
Es sind 337. 

Und mit wie vielen Kollegen teilen Sie sich Ihre Arbeit?
Wir sind ein Team mit sechseinhalb Köpfen – der „halbe Kopf“ ist ein Kollege, der seit 50 Jahren im Bayerischen Hof arbeitet und eigentlich im Pensionsalter ist. Die Arbeit macht ihm aber immer noch Freude und er kommt zwei Tage die Woche ans Desk.

Wenn man den Bayerischen Hof betritt, steht der Concierge gleich links an einem Pult. Welches Anliegen begegnet Ihnen dort am hÀufigsten?
Wir reservieren viele Abendessen oder geben Empfehlungen. Viele GĂ€ste möchten die Lage des Bayerischen Hofs mitten in der Stadt genießen und zu Fuß zum Restaurant laufen. 

Dabei ist das Hotel ĂŒppig mit Lokalen und Bars versorgt.
Das ist wahr. Ich vergleiche den Bayerischen Hof manchmal mit einem Kreuzfahrtschiff, das am Promenadenplatz angelegt hat. Wir haben fĂŒnf Restaurants, sechs Bars, ein Kino, ein Theater, einen Pool, Wellness- und Massageangebote, Friseure, Kosmetiker, einen Juwelier, eine Kunstgalerie, ein ReisebĂŒro, eine Papeterie 


Verstehe.
Wir haben extrem viel im GebÀude. 

Wie tasten Sie sich an das richtige Restaurant fĂŒr den Gast heran?
Erst finde ich heraus, wie der Gast hinkommen will. Falls er gehen möchte, frage ich, wie weit es sein darf. FĂŒr manche sind 400 Meter die maximale Distanz, einem echten New Yorker kann ich hingegen schon mehr zumuten. Es ist eine Herausforderung, Menschen aus unterschiedlichsten LĂ€ndern und Kulturen zu beraten. Was meint der Amerikaner mit „casual“, was mit „elegant“? Welches Restaurant leitet sich aus dieser Angabe ab? Lokale, die bei uns als teuer gelten, mĂŒssen im internationalen Vergleich keineswegs teuer sein – wer First Class ĂŒber den Atlantik fliegt oder im Privatjet anreist, pflegt ein anderes VerhĂ€ltnis zu unseren Preisen. 

Welche Restaurants empfehlen Sie?
Ich versuche nur Lokale zu empfehlen, die ich kenne. 

Wenn Sie alle selbst kennen mĂŒssen, kommt Sie das teuer.
Manche Restaurants besuche ich zum Mittagstisch. Das „Les Deux“ in der Nachbarschaft des Bayerischen Hofes zum Beispiel hat einen Stern und bietet einen sehr guten Mittagstisch zu 45 Euro. Ich muss aber auch nicht unbedingt dort gegessen haben. Ich sollte vor allem die Karte und die Örtlichkeiten kennen. Zum Beispiel empfehle ich hĂ€ufig „The Grill“, am Stachus. Das Lokal befindet sich im ersten Stock eines GebĂ€udes am Lenbachplatz, in dem unten eine L’Osteria drin ist. Dem Gast kann ich sagen, dass er erst durch das sehr lebendige italienische Restaurant gehen und die Treppe hochsteigen muss, um zu The Grill zu kommen. Mit solchem Detailwissen vereinfache ich seinen Abend. 

Erst wenn ich den Tisch sicher habe, sage ich, weshalb ich denke, dass das Lokal passt.

ZurĂŒck zu der Frage, wie Sie das richtige Restaurant fĂŒr einen Gast finden.
Ich frage unter anderem nach der gewĂŒnschten Entfernung und nach dem KĂŒchenwunsch. Mit den Antworten entsteht ein Netz, in dem sich eine Reihe von Möglichkeiten verfangen. Meist steht der Gast direkt vor mir. Er beobachtet mich also bei der Arbeit, weshalb fĂŒr mich, wenn ich ein Restaurant anrufe, eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit zĂ€hlt. Ein Haus, das fast immer ausgebucht ist, rufe ich sicher nicht zuerst an. 

Selbst wenn es aus Ihrer Sicht das am besten Geeignete wÀre?
Wenn der Gast erlebt, dass ich erst beim vierten Anruf Erfolg habe, muss er denken, er komme nicht im besten Restaurant unter. Ich sage deshalb nur „Ich habe eine gute Idee, ich rufe an“. Erst wenn ich den Tisch sicher habe, sage ich, weshalb ich denke, dass das Lokal passt. 

Concierges sind demnach EnttÀuschungsvermeider.
Klar. EnttĂ€uschung entsteht, wenn Erwartungen nicht erfĂŒllt werden. Deshalb rede ich den GĂ€sten auch nie ein Restaurant aus, das sie sich selbst ausgesucht haben. Das habe ich zu Beginn meiner Laufbahn gemacht. Ein Fehler. 

Weshalb?
Wenn irgendwas an meiner Empfehlung nicht passt, bin ich es, der den Abend ruiniert hat. Egal ob der Service zu langsam oder das Fleisch zu kalt ist – im Wunschlokal des Gastes wĂŒrde das sicher nicht passieren.

Wie wurden Sie Concierge?
Ich habe in Bamberg Soziologie studiert und gemerkt, dass mir der Nebenjob in der Gastronomie mehr Freude bereitete als das Auswerten von Fragebögen. Also brach ich das Studium ab und begann mit 25 Jahren eine Ausbildung zum Hotelfachmann. Danach arbeitete ich an der Rezeption eines Hotels an der Costa del Sol, spĂ€ter an der Rezeption eines FĂŒnf-Sterne-Hotels in MĂŒnchen. Nach der WM 2006 ging ich mit meiner Freundin und heutigen Frau nach San Diego. Sie ist auch Hotelkauffrau und wir arbeiteten in verschiedenen Hotels. Nachdem unsere Tochter zur Welt gekommen war, wollten wir nĂ€her bei unseren Familien sein und kehrten nach Europa zurĂŒck. Ich wurde Chefconcierge eines Hotels in Luzern am VierwaldstĂ€tter See – ein kleines Haus in einer kleinen Stadt.

Das heißt?
Es gab in Luzern und Umgebung etwa 20 Restaurants, die fĂŒr unsere GĂ€ste empfehlenswert waren, dazu ein paar klassische AusflĂŒge, ĂŒber die ich schnell bescheid wusste. Vor sieben Jahren zogen wir wieder nach MĂŒnchen und ich wurde Teil des Concierge-Teams im Le MĂ©ridien am Hauptbahnhof. Zu jener Zeit hatte ich die Aufnahmekriterien der Goldenen SchlĂŒssel erfĂŒllt: Ich hatte fĂŒnf Jahre in einem Hotel gearbeitet, außerdem zwei Jahre als Concierge. 

Wie viele Concierges tragen die Goldenen SchlĂŒssel am Revers?
Die Goldenen SchlĂŒssel sind eine weltweite Vereinigung mit 4000 Mitgliedern in ĂŒber 90 LĂ€ndern. Von den 180 Mitgliedern in Deutschland treffen sich gut 100 immer wieder zum Austausch und zur Weiterbildung.

Der Concierge Georg Kaesler – fotografiert von Gerald von Foris im Hotel Bayerischer Hof.
Der Concierge Georg Kaesler, fotografiert von Gerald von Foris

Wann engagiert ein Hotel einen Concierge?
Ich brauche den Bedarf bei den GĂ€sten, damit es Sinn ergibt. FĂŒr die Hotels sind wir ein guter Grund, einen höheren Preis zu erheben. Ich verstehe uns als Zugewinn fĂŒr den Gast.

Haben Sie am vergangenen Wochenende gearbeitet?
Ja. 

Wie war es?
Am Sonntag gingen drei Demonstrationen durch MĂŒnchen und schnitten unser Hotel von der Welt ab. Ein Gast musste dringend zum Flieger. Ich gab ihm ein S-Bahn-Ticket und erklĂ€rte, wie er zum Flughafen kommt.

Musste der Mann das Ticket zahlen?
Ja, der zahlt das. Wir halten die gĂ€ngigsten MVG-Tickets vor. Er rief mich sehr glĂŒcklich vom Flughafen aus an. 

Weshalb?
Er war froh, dass alles gut gegangen war – es war die erste S-Bahn-Fahrt seines Lebens.

Wirklich?
Es gibt immer wieder GÀste, die nie in ihrem Leben den öffentlichen Nahverkehr genutzt haben. 

Bei allen Events, fĂŒr die Eintrittskarten verkauft werden, gibt es bis zum Schluss noch Möglichkeiten.

Erinnern Sie sich an ein schwieriges Projekt aus den vergangenen Jahren?
Ich war in Luzern, als 2010 in Island der Vulkan Eyjafjallajökull ausbrach und den Flugverkehr in Europa lahmlegte. Damals wurde den Briten wieder schmerzlich bewusst, dass sie auf einer Insel leben. Ein Gast aus England musste aber dringend nach Hause. Einen Mietwagen konnte ich nicht mehr buchen, ein Zugticket auch nicht, die FĂ€hren waren ebenso voll. Ich organisierte einen Taxifahrer, der den Herrn zu einem kleinen FĂ€hrhafen unterhalb von Calais brachte. Dort konnte ich noch einen Platz fĂŒr einen Fußpassagier auf einer FĂ€hre organisieren.

Klingt nach einer teuren, aber schlichten Lösung 


 die mich Stunden an Recherche bei vielen FĂ€hrlinien kostete.

Sie organisieren nicht nur Fahrten, sondern auch Eintrittskarten fĂŒr eigentlich ausverkaufte Veranstaltungen. Wie?
Bei allen Events, fĂŒr die Eintrittskarten verkauft werden, gibt es bis zum Schluss noch Möglichkeiten. Je lĂ€nger ich Zeit habe, desto einfacher ist es. Immer wieder werden Kontingente frei, Menschen geben Karten zurĂŒck oder werden krank. In den meisten Theatern gibt es Intendanzkarten, die der Intendant fĂŒr Verwandte und Bekannte vorhĂ€lt. Wenn man da eine Verbindung hinhat 
 

Dann geht es?
Ja. Aber auch das Netzwerk der Goldenen SchlĂŒssel hilft. Es gibt immer Privatpersonen, die wissen, dass Concierges Opernkarten ankaufen. Die melden sich und sagen: Mein Partner ist krank geworden – wĂŒrden Sie die Karte kaufen? Manchmal habe ich dann schon die passende Anfrage. 

Wenn ich richtig rechne, waren Sie zum Champions League-Finale 2013 in MĂŒnchen im Le MĂ©ridien?
Genau. 

WĂ€re da am Tag vorher noch was gegangen?
Bei dem Spiel haben wir uns als Concierge-Team rausgehalten – die AuswĂŒchse des Schwarzmarktes machen wir nie mit. Wenn auf einem Ticket des FC Bayern MĂŒnchen ein Eintrittspreis von 70 Euro steht und dann das Vierfache verlangt wird, ist das nichts fĂŒr uns. 2013 hatten wir ohnehin schon genug mit den Transferanfragen fĂŒr die Menschen zu tun, die Tickets hatten. Das war ein spannender Tag: Am MĂŒnchner Flughafen gab es fĂŒr Privatjets keine StellplĂ€tze mehr.

Okay.
Die GĂ€ste landeten kurz vor NĂŒrnberg auf einem kleinen Flugplatz und fuhren von dort zu uns ins Hotel und dann raus zum Stadion. Die Limousinenunternehmen zogen aus Berlin und Frankfurt Autos ab, um die Leute innerhalb der Stadt zu bewegen. 

Die MĂŒnchner Sicherheitskonferenz findet jeden Februar vor allem im Hotel Bayerischer Hof statt. Wie erleben Sie diese Tage?
FĂŒr Concierges sind es ruhige Schichten, weil die GĂ€ste mit ihren bilateralen GesprĂ€chen beschĂ€ftigt sind. Einmal aber wollte ein deutscher Minister am Freitagabend spontan noch essen. Nun muss man wissen: An einem Freitagabend im Februar sind die guten Restaurants in MĂŒnchen voll besetzt. Der Referent des Ministers sagte, er brauche einen Tisch fĂŒr sechs Personen und in der NĂ€he einen Tisch fĂŒr vier MĂ€nner von der Sicherheit. Ich fragte: Wann? Er sagte: Jetzt!

Wie spÀt war es?
19 Uhr, Freitagabend, die Gruppe wollte 15 Minuten spĂ€ter los. Da ist es schön fĂŒr den Concierge, wenn er ein Restaurant und einen Restaurantleiter kennt, der die Situation mit ihm löst. 

Was meinen Sie damit?
Das ist unsere StĂ€rke: Wir arbeiten langfristig mit den Menschen zusammen, die zum Beispiel Fußballtickets verkaufen oder Restaurants fĂŒhren. 

Aber die sind Ihnen doch keine Gefallen schuldig?
Je nachdem. Manchmal ruft mich ein Restaurantleiter an und sagt: Du, mir haben zwei Vierertische abgesagt, kannst du mir jemand schicken? Es gibt einen gewissen Austausch. 

Wie ging es mit der Minister-Gruppe weiter?
Es klappte noch und der Minister aß gut zu Abend. Am folgenden Morgen rief mich der Restaurantleiter an und berichtete, dass die Gruppe sogar von zehn auf 18 Leute gewachsen war – die zusĂ€tzlichen acht GĂ€ste kamen offenbar spontan hinzu. Wie genau er da gezaubert hat, weiß ich nicht. Die meisten Restaurants haben ein bisschen Puffer fĂŒr „Walk-In Guests“. Vielleicht mussten andere einen Moment lĂ€nger warten, vielleicht stand eine grĂ¶ĂŸere Gruppe frĂŒher auf. 

BeschÀftigt Sie der Druck, der durch die Erwartung der GÀste entsteht?
Eine alte Concierge-Regel sagt: Es gibt kein Nein, es gibt immer eine Lösung. Dieses Versprechen begleitet mich. Ich darf die GĂ€ste allerdings wissen lassen, ob sie mir gerade eine einfache oder eine schwierige Aufgabe stellen. Wenn ein Gast, so wie kĂŒrzlich geschehen, an einem Samstagmorgen nach vier Karten fĂŒr das nachmittĂ€gliche Heimspiel des FC Bayern MĂŒnchen fragt, in dem es um die Meisterschaft geht, sage ich, dass das keine leichte Übung ist. Trotzdem konnte ich ihm um 13.30 Uhr noch drei Karten fĂŒr das Spiel bieten. 

Einer Ihrer Kollegen musste nach meinem Wissen an Weihnachten einen Ferrari vermitteln.
Ja, der Gast wollte ursprĂŒnglich nur einen Ferrari mieten, entschloss sich dann aber zum Kauf – am 24. Dezember, abends. Mein Kollege half ihm, eine Übergangszulassung zu bekommen, sodass er fahren konnte. Aus einem anderen Hotel kenne ich die Geschichte, nach der ein arabischer Gast den Concierge nach acht Spielautos fĂŒr seine Kinder fragte. 

Spielautos?
Er meinte den „Smart“ von Mercedes, der damals neu auf den Markt gekommen war. Der Kollege vermittelte den Kauf und die Verschiffung der Autos in den arabischen Raum.

Ein guter Concierge ist wie guter Wein: Er wird besser mit jedem Jahr und jeder Verbindung, die er zu Kollegen, GĂ€sten und Restaurants aufbaut.

Im Bayerischen Hof ĂŒbernachten viele KĂŒnstler nach Auftritten oder bekannte Sportler und Politiker vor und nach Veranstaltungen. Gibt es Begegnungen, die Ihnen in Erinnerung geblieben sind?
Die meiste Prominenz lĂ€uft sicher wĂ€hrend der Sicherheitskonferenz an meinem Desk vorbei. Der einstige US-Außenminister John Kerry zum Beispiel hat eine tolle Ausstrahlung – ein groß gewachsener Mann, der den gesamten Raum bewegt, wĂ€hrend er durchs Atrium geht. Ich bin Menschen wie Phil Collins, Thomas Gottschalk oder Bastian Schweinsteiger begegnet. Meine Erfahrung ist, dass Prominente es genießen, wenn ich selbstverstĂ€ndlich mit ihnen umgehe.

Welche Lehre ist Ihnen im Lauf Ihrer Arbeit zugewachsen?
Empathie und dauernde Neugierde sind in meiner Arbeit das wichtigste. Wenn ich mich durch die Stadt bewege, versuche ich immer Neues zu entdecken. Wo hat ein neues Restaurant oder GeschĂ€ft eröffnet? Wo waren die Restauranttester der SĂŒddeutschen Zeitung zuletzt essen? Die Concierges helfen sich untereinander, so gut sie können. Vor Kurzem hatte bei uns in der Komödie im Bayerischen Hof ein neues StĂŒck Premiere. Ein Kollege besuchte die Generalprobe und schrieb allen im Team ein paar Zeilen dazu, wie er die AuffĂŒhrung empfand. 

Was ist die Herausforderung in Ihrer Arbeit?
Die Herausforderung ist sicher, dass ich viel gleichzeitig mache. Ich koordiniere, dass ein GepĂ€ck vom Zimmer runter kommt, dass ein Auto vorgefahren wird, ich nehme den nĂ€chsten Telefonanruf entgegen und darf den Blumenstrauß fĂŒr 12 Uhr nicht vergessen.

Was ist Ihr Ziel bei Beginn einer Schicht?
Der Plan ist immer, der nĂ€chsten Schicht weniger Aufgaben zu ĂŒbergeben, als ich sie zum Beginn meiner eigenen Schicht hatte. 

Und wenn Sie einer Aufgabe nun doch nicht Herr werden – wie reagieren Sie?
Mit einem gewissen Selbstbewusstsein und Gelassenheit. Wenn ich keine Neuschwanstein-Tickets fĂŒr den nĂ€chsten Tag mehr bekomme, schlage ich dem Gast einen Ausflug nach Herrenchiemsee vor. KĂŒrzlich wollte ein Herr das „Eagle’s Nest“, also das Kehlsteinhaus auf dem Obersalzberg besuchen. Es war wegen Schnee noch geschlossen. Ich organisierte stattdessen einen privaten Guide, der den Mann zum Dokumentationszentrum ReichsparteitagsgelĂ€nde in NĂŒrnberg brachte und durch die Ausstellung fĂŒhrte. So blieb er im Thema und kam begeistert zurĂŒck nach MĂŒnchen.

Was wĂŒrden Sie einem jungen Concierge mit auf den Weg geben?
Ein guter Concierge ist wie guter Wein: Er wird besser mit jedem Jahr und jeder Verbindung, die er zu Kollegen, GĂ€sten und Restaurants aufbaut. Wir laufen keinen Sprint, wir laufen einen Ultra-Marathon.

Fotos: Gerald von Foris